10 Strategien der Medien zur Manipulation der Massen

Medienmanipulation erklärt von Sylvain Timsit und Noam Chomsky

Die Medien können die öffentliche Meinung prägen und durchaus in die eine oder andere Richtung lenken. Jene Medien, die Nachrichten verbreiten, haben dazu beigetragen, soziale Bewegungen anzuregen oder zu zerstören, sie haben versteckte Finanzkrisen aufgedeckt oder Öl ins Feuer ideologisch aufgeheizter Debatten gegossen. Es gibt viele verschiedene Studien und Theorien zum Einfluss der Medien.

Eine dieser Untersuchungen, die sich mit den Strategien der Manipulation durch Medien beschäftigt, stammt vom französischen Autor Sylvain Timsit. Dieser hat gezeigt, wie die Medien psychosoziale Instrumente einsetzen, um die Öffentlichkeit von dem abzulenken, was wirklich zählt. Seiner Meinung nach können die Medien die öffentliche Meinung manipulieren, indem sie die wirklichen Probleme herunterspielen. Dabei werde oft das Ziel verfolgt, die Gesellschaft unterwürfig und weniger kritisch zu stimmen.

Im Jahr 2002 erstellte der französische Schriftsteller, Sylvain Timsit, eine Liste von zehn Strategien der Medienmanipulation, die von politischen und wirtschaftlichen Mächten verfolgt werden, um die Öffentlichkeit gemäß ihrer Interessen zu lenken. Und obwohl das schon 16 Jahre her ist, ist seine Liste immer noch ein sehr mächtiges, gültiges Argument, das wir berücksichtigen sollten.

Die Liste ist ein Ranking von Methoden der Massenmanipulation. Der Zweck dieser Strategien bestehe laut dem Autor darin, fügsame, unterwürfige und gehorsame Individuen zu schaffen. Darüber hinaus sagt er, dass die Medien sie benutzen, um Ungleichheit und Neokapitalismus zu unterstützen.

Timsits Post wurde innerhalb weniger Minuten viral und wurde fälschlicherweise Noam Chomsky zugeschrieben. Nichtsdestoweniger gibt er sicherlich Einblicke in den Einfluss von Chomskys Überzeugungen auf Timsits Arbeit, insbesondere im Bezug auf die kritische Analyse der Rolle der Massenmedien in unserer Gesellschaft.

„In einem totalitären Staat spielt es keine Rolle, was die Leute denken, denn die Regierung kann die Menschen mit Gewalt kontrollieren, indem sie einen Knüppel benutzt. Aber wenn man die Menschen nicht mit Gewalt fügen kann, muss man kontrollieren, was die Leute denken, und der übliche Weg dazu ist Propaganda.“

Noam Chomsky
(Nach diesem Artikel schreibe ich die Strategien von Chomsky - allein zum Vergleich - wie sehr sich die Aussagen doch ähneln) 

Laut Timsit sind diese zehn Wege, wie die Medien die Massen manipulieren:


Strategie 1 - Ablenkung

 

Die Strategie der Ablenkung besteht darin, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit von wichtigen Themen abzulenken. Eine Möglichkeit ist es, die Nachrichten mit Geschichten über triviale Themen zu überschwemmen. Ziel dabei ist es, die Menschen abzulenken und ihre Gedanken zu beschäftigen. So sollen sie aufhören zu fragen, warum die Medien nicht über bestimmte Themen berichten, die wirklichen Probleme vergessen.

 

Figur wird durch Bildschirm manipuliert

 

Strategie 2 - Problem – Reaktion – Lösung

 

Diese Methode entspricht einer „Umfrage“ in der Politik. Das heißt, sie besteht darin, die Bevölkerung durch Gerüchte oder Ideen zu testen, um zu bewerten, wie auf gewissen Maßnahmen reagiert werden würde. Das schafft ein Problem, das später durch die Politik gelöst werden kann. Dadurch sieht das Publikum die Manipulatoren als Helden.

 

Strategie 3 - Gradualismus

 

Gradualismus manipuliert die Menschen, indem er sie dazu bringt, sozial ungerechte Entscheidungen zu akzeptieren. Der Schlüssel zum fragwürdigen Erfolg ist es, sich ihm im Laufe der Jahre langsam und progressiv zu nähern.

Zum Beispiel mag das Ziel eines Unternehmens sein, 80 % der Mitarbeiter eines großen, hochkarätigen Unternehmens zu entlassen. Die Medien mögen damit anfangen, negative Nachrichten über das Unternehmen zu veröffentlichen: Umsatzeinbrüche, Börsencrashs, Gerüchte usw. Langsam wird damit ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass es dem Unternehmen schlecht gehe, und die Öffentlichkeit auf die „großen Nachrichten“ vorbereitet. Wenn die Entlassungen allerdings gleich zu Beginn bekanntgegeben worden wären, hätte es wohl einen öffentlichen Aufschrei gegeben.

 

Strategie 4 - Differenzierung

 

Eine andere Strategie, die Timsit auf die Medienmanipulation bezieht, ist es, eine unpopuläre Entscheidung als „notwendig“, „für eine bessere Zukunft“ oder „zu unserem Besten“ zu präsentieren. Die Autoren überzeugen die Öffentlichkeit so davon, dass die Opfer dieser Entscheidungen dazu führen, dass die Dinge später wesentlich besser würden.

So gewöhnen sich die Bürger an eine geringere Lebensqualität. Sie fangen an, diese als normal zu betrachten. Letztendlich werden sich die Menschen dem aktuellen Stand der Dinge fügen und aufhören, das zu fordern, was sie einst hatten.

 

Strategie 5 - Die Öffentlichkeit wie Kinder behandeln

 

Je mehr die Medien die Öffentlichkeit manipulieren wollen, desto mehr werden sie mit der Öffentlichkeit sprechen, als handelte es sich dabei ausschließlich um Kinder. Dann werden zuckersüße Argumente, Zeichen und Intonationen verwendet, als ob die Leute zu schwach oder unreif wären, um mit der Wahrheit umzugehen. Das Ziel dabei ist es, eine unterwürfige, fügsame Reaktion hervorzurufen, kritisches Denken zu verhindern.


 

Menschen auf einer Waage

 

Strategie 6 - An Emotionen appellieren

 

Emotionale Appelle sind viel mächtiger als sterile, rein objektive Ansprachen. Die Medien wissen das und sprechen deshalb die Emotionen der Öffentlichkeit an. So versuchen sie wiederum, die Menschen davon abzuhalten, kritisch zu denken; sie versuchen, ihre Gedanken und Gefühle zu kontrollieren. Erinnere dich daran, wie mächtig Angst sein kann – und hinterfrage, ob sie dich motiviert.

 

Strategie 7 - Die Öffentlichkeit ignorant halten

 

Laut Timsit bevorzugen die Medien ein ignorantes, unkultiviertes Publikum. Wenn man es vom Wissen isoliert hält, kann es leichter manipuliert werden. Diese Maßnahme hält auch Unbotmäßigkeit und Rebellionen fern, denn Information ist Macht und wer nicht informiert ist, hat demzufolge weniger Macht.

 

Strategie 8 - Ermutigung der Menschen, zur Mittelmäßigkeit beizutragen

 

Dieser Punkt und der vorherige sind sich sehr ähnlich und diese ist eine der subtilsten Strategien der Medienmanipulation. Stillt das TV-Angebot die Bedürfnisse der Öffentlichkeit? Oder wird es uns von den Medien auferlegt und definiert unsere Bedürfnisse? Mit anderen Worten, sehen wir tatsächlich, was wir sehen wollen? Oder eher, was wir sehen sollen?

Für Timsit ist die Antwort klar. Konsumerismus und Banalität hypnotisieren uns. Deshalb kümmern wir uns nicht um unsere Umgebung, da wir darauf trainiert sind, mittelmäßig zu sein.

 

Strategie 9 - Selbstvorwürfe

 

Zur gleichen Zeit, in der die Medien unsere Unwissenheit fördern, lassen sie uns auch glauben, dass wir die Einzigen wären, die für unser Unglück verantwortlich seien. Die Medien sagen uns, dass unsere mangelnden Fähigkeiten uns unglücklich und erfolglos machen würden. Sie streben Selbstvorwürfe durch Selbstverherrlichung an und halten die Öffentlichkeit davon ab, sich zu mobilisieren.


 

Strategie 10 - Umfassendes Wissen der Öffentlichkeit

 

Um Kontrolle über jemanden auszuüben, muss man denjenigen kennen. Für Timsit ermöglichen psychologische, soziale und technologische Fortschritte großen Unternehmen, möglichst viel über jedes einzelne Individuum zu erfahren. Man kennt uns also und das bedeutet, dass man uns genau dort manipulieren kann, wo wir schwach sind.

 

Nun werde ich die Aussagen von Chomsky zur Gegenüberstellung aufzeigen!

 

Noam Chomsky ist einer der bekanntesten Wissenschaftler der Welt. Dieser US-amerikanische Denker wurde von The New York Times als der wichtigste Denker der heutigen Zeit betitelt. Einer seiner bedeutendsten Beiträge besteht darin, die Strategien der Manipulation zu nennen und zu analysieren. Genauer gesagt, geht es um die Massenmanipulation, die es heutzutage auf der Welt gibt.

Noam Chomsky wurde als Sprachwissenschaftler, aber auch als Philosoph und Politikwissenschaftler bekannt. Gleichzeitig ist er zu einem der Hauptfiguren der anarchistischen Bewegungen geworden. Seine Schriftstücke sind überall auf der Welt bekannt geworden und überraschen auch heute noch seine Leser.

„Wie kann es sein, dass wir über so viele Informationen verfügen, aber so wenig wissen?“

Noam Chomsky

Chomsky verfasste einen didaktischen Text, in dem er die Strategien der Massenmanipulation beschreibt. Seine Gedanken zu diesem Thema sind tiefgründig und komplex. Doch zu didaktischen Zwecken fasste er den gesamten Inhalt in einfachen Grundsätzen zusammen, die für alle zugänglich sind.

 

1. Kehre die Aufmerksamkeit um: eine der Strategien der Manipulation

 

Laut Chomsky sei die am häufigsten angewandte Strategie der Manipulation der Gesellschaft das Umkehren der Aufmerksamkeit. Sie bestehe im Grunde genommen darin, die Aufmerksamkeit des Publikums auf irrelevante oder banale Themen zu lenken. Auf diese Weise bleibe der Verstand der Gesellschaft beschäftigt.

 

 

Um die Menschen abzulenken, würden sie mit Informationen vollgestopft. Man schreibe zum Beispiel Sportveranstaltungen oder aber auch Shows, Sehenswürdigkeiten, etc. zu viel Wichtigkeit zu. Das führe dazu, dass die Menschen den Blick dafür verlieren, was ihre wirklichen Probleme seien.

 

2. Erzeuge Probleme und liefere die Lösung

 

Manchmal lassen die großen Mächte absichtlich von gewissen Realitäten ab oder kümmern sich nicht ausreichend um diese. Der Gesellschaft verkaufen sie das dann als ein Problem, dass einer externe Lösung bedürfe. Sie selbst aber schlagen dann eine Lösung vor.

Dabei handelt es sich um eine Strategie der Manipulation der Gesellschaft, um Entscheidungen zu treffen, die unpopulär sind. Wenn man beispielsweise ein öffentliches Unternehmen privatisieren will und absichtlich dessen Leistung reduziert, rechtfertigt das letztendlich den Kauf.

 

3. Stufe Änderungen ab

 

Das ist eine weitere Strategie der Massenmanipulation, um Maßnahmen einzuführen, die die Menschen normalerweise nicht akzeptieren würden. Sie bestehe darin, nach und nach Maßnahmen in die Tat umzusetzen, sodass sie praktisch unbemerkt bleiben, sagt Chomsky.

Das ist zum Beispiel mit der Einschränkung des Arbeitsrechts passiert. In verschiedenen Gesellschaften wurden Maßnahmen oder Arbeitsweisen, eingeführt, in denen es normal erscheinen soll, dass ein Angestellter zum Beispiel keinerlei Recht auf eine Sozialversicherung hat.

 

4. Aufschub von Änderungen

 

Diese Strategie zielt darauf ab, die Gesellschaft glauben zu lassen, dass eine Maßnahme ergriffen wird, die eine gewisse Zeit lang Schaden mit sich bringe, aber im Hinblick auf die Zukunft der gesamten Gesellschaft und selbstverständlich auch des Menschen im Einzelnen große Vorteile bringen könne.

 

Frau steht vor einem hypnotisierenden Spiegel

 

Das Ziel dabei sei es, dass sich die Menschen an die Maßnahme gewöhnen und sie nicht zurückweisen, weil sie an das zufriedenstellende Resultat von morgen denken. Wenn dann dieser Moment gekommen sei, habe der Effekt der Normalisierung schon gegriffen und die Bevölkerung protestiere nicht, weil die versprochenen Vorteile doch nicht eintreffen.

 

5. Sprich zur Masse wie zu kleinen Kindern

 

Viele der Botschaften, die wir durch den Fernseher, besonders durch Werbung, erhalten, sind in kindlicher Sprache verfasst. Es werden Gesten, Worte und Sichtweisen verwendet, die konziliant und in gewisser Weise naiv sind.

Damit solle der Widerwille der Bevölkerung ausgeschaltet werden, meint Chomsky. Mithilfe dieser Strategie der Manipulation der Gesellschaft möchte man die kritische Denkweise der Menschen neutralisieren. Auch Politiker greifen auf diese Strategien zurück und inszenieren sich manchmal als elterliche Figuren.

 

6. Konzentriere dich auf Emotionen und nicht auf Reflexion

 

Botschaften, die von ganz oben kommen, seien nicht für den reflektierenden Verstand der Menschen gedacht. Durch sie sollen vor allen Dingen Emotionen ausgelöst werden, man wolle in das Unterbewusstsein der Individuen eindringen. Daher sind viele dieser Botschaften emotionsgeladen.

Mithilfe dieser Strategie solle in gewisser Weise ein Kurzschluss der rationalen Denkweise der Bevölkerung erzeugt werden. Dank der Emotionen werde der eigentliche Inhalt der Botschaft verschleiert und es werde nicht gesagt, worum es im Grunde genommen gehe. Somit werde die Fähigkeit der kritischen Hinterfragung neutralisiert.

 

7. Versuche, die Ignoranz der Gesellschaft aufrechtzuerhalten

 

Die Ignoranz der Gesellschaft aufrechtzuerhalten ist eines der Ziele der großen Mächte. Ignoranz heiße, der Gesellschaft nicht das benötigte Werkzeug zur Verfügung zu stellen, damit sie die Realität selbst analysieren könne. Den Menschen würden anekdotische Daten vorgelegt, aber interne Strukturen der Tatsachen verschweige man ihnen.

 

Menschen halten sich Fragezeichen vor's Gesicht

 

Um die Ignoranz der Menschen aufrechtzuerhalten, werde auch kein besonderer Wert auf Bildung gelegt. Eine breite Kluft zwischen der Qualität der privaten und der öffentlichen Bildung zu schaffen ist dabei das Hauptziel. Ebenfalls versuche man den Wissensdurst einzuschränken und Produkten, die die Intelligenz fördern, werde nur ein geringer Wert zugeschrieben.

 

8. Entfache in der Bevölkerung den Gedanken, dass sie durchschnittlich sei

 

Die Mehrheit der Modetrends wird nicht spontan erschaffen. Fast immer werden sie von einem Machtzentrum, das seinen Einfluss ausübt, zu massiven Trends, was Geschmäcker, Interessen oder Meinungen anbelangt, angeregt und gefördert.

Für gewöhnlich fördern die Kommunikationsmedien gewisse Trends, sowohl in der Mode als auch in anderen Bereichen. Die meisten von ihnen haben mit dummen, oberflächlichen oder sogar lächerlichen Lebensstilen zu tun. Man möchte die Gesellschaft davon überzeugen, dass sie sich so zu verhalten habe, wie das, was gerade in Mode sei. Auch wenn es sich dabei um menschenverachtende Verhaltensweisen handele.

 

9. Wandle Widerstand in das Gefühl schlechten Gewissens um

 

Eine andere Strategie der Massenmanipulation ist es, den Menschen zu verkaufen, dass sie, und nur sie, schuld an ihren Problemen seien. Alles Negative, das ihnen widerfahre, hänge nur von ihnen selbst ab. Auf diese Weise lasse man sie glauben, dass das Umfeld perfekt sei und es in der Verantwortung des Individuums liege, wenn sich ein Problem auftue.

Deshalb versuchen die Menschen irgendwann, in ihrem Umfeld nicht anzuecken, und fühlen sich gleichzeitig schuldig, weil sie es nicht wirklich schaffen. Sie verlagern die Empörung, die das System bei ihnen auslösen könne, auf ein permanentes Schuldgefühl sich selbst gegenüber.

 

10. Lerne Menschen besser kennen, als sie selbst es tun

 

In den letzten Jahrzehnten ist es Wissenschaftlern gelungen, beeindruckende Erkenntnisse zur Biologie und Psychologie des Menschen zu erringen. Dieser große Berg an Wissen steht jedoch nur wenigen Menschen zur Verfügung.

 

Hand mit Fäden an den Fingern

 

Der Öffentlichkeit stehe diesbezüglich nur ein Minimum an Informationen zur Verfügung, gibt Chomsky an. Derweil haben die großen Mächte dieser Welt all dieses Wissen und nutzen es zu ihrem Vorteil. Wieder einmal werde deutlich, dass die Ignoranz es den großen Mächten leicht mache, über die Gesellschaft hinweg zu handeln.

All diese Strategien der Manipulation der Gesellschaft zielen darauf ab, die Welt so zu gestalten, wie es den Mächtigsten der Mächtigen passt, und die kritische Denkweise sowie die Autonomie der meisten Menschen auszuschalten. Doch es hängt auch von uns ab, passiv über uns bestimmen zu lassen oder aber uns so weit es möglich ist, sich dagegen zu wehren.

 

Erstellt am: 12.09.2020
RedSand

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